BLOG ZUM BUCH
Kombination von Workshops
22. Dezember 2017, Toni Steimle

In unserem Buch "Collaborative UX Design" empfehlen wir sieben Workshops. Doch die Anzahl von sieben Workshops wird nicht für jede Projektsituation geeignet sein. So lassen sich viele der Workshops zusammenfassen und als mehrere Tage dauernder grosser Workshop organisieren. Begrenzt wird die mögliche Kombination von Workshops vor allem durch einen Faktor: Tätigkeiten, die nicht in Form von Workshops stattfinden. So lassen sich beispielsweise der Workshop Scoping und der  Workshop Synthese nicht zusammenfassen, da dazwischen Nutzerforschung stattfindet. Zwischen dem Workshop Prototyping und dem Workshop Validierung gibt es ebenfalls Tätigkeiten, welche als Einzeltätigkeiten stattfinden. So wird allenfalls der Prototyp vervollständigt und die Validierung durchgeführt. Im Workshop Validierung werden die Ergebnisse dann gemeinsam ausgewertet.

Abbildung: Workshops und Tätigkeiten, die nicht in Workshops durchgeführt werden.

Somit lassen sich theoretisch die Workshops Synthese, Ideation, Konzept und Prototyping kombinieren. In sogenannten Design Sprints werden alle Workshops in einer Woche zusammengefasst. Dies ist aber für viele Projekte unrealistisch. Erstens ist das Team nicht permanent für das Projekt verfügbar und zweitens kann es Sinn machen, zwischen Workshops einige Zeit verstreichen zu lassen, damit sich die Teammitglieder weitere Gedanken machen können und unabhängig der Workshops auch Gespräche führen können.

Häufige Kombinationen sind:

  • Synthese und Ideation
  • Konzept und Prototyping
  • Ideation und Konzept

Ein möglicher Ablauf von Workshops sieht dann wie folgt aus.

Abbildung: Eine mögliche Kombination von Workshops

In dieser Variante wertet das Team gemeinsam die Ergebnisse der Forschungsaktivitäten aus und generiert für die festgestellten Opportunity Areas Ideen. In einem kombinierten Konzept und Prototyping Workshop werden diese Ideen dann kombiniert und detailliert.

Dual Track Agile 
23. Dezember 2017, Toni Steimle

Agile Entwicklung basiert auf zwei grundlegenden Konzepten:

  • Software wird iterativ entwickelt. Jede Iteration stellt dabei ein Miniprojekt dar, aus dem ein fertig gestelltes Produktinkrement resultiert. Das Inkrement wird geplant, entworfen, umgesetzt, integriert und getestet. Der dazu entwickelte Code hat die final gewünschte Qualität. Je nach Team dauert eine Iteration 2-4 Wochen.
  • Software wird kollaborativ entwickelt. Das ganze Team arbeitet gemeinsam an den Inkrementen. So helfen Entwickler bei der Produktspezifikation und dem Testen der Inkremente aktiv mit.

Um Produktinkremente zu planen, unterteilen agile Teams die Produktfunktionalität in sogenannte User Stories. Alle User Stories werden in einem Product Backlog zusammengefasst. Vor einer Iteration werden User Stories für die Umsetzung in der folgenden Iteration aus dem Product Backlog ausgewählt. Nach einer Iteration können neue User Stories in den Backlog aufgenommen werden.

Das Konzept der agilen Vorgehensweise wurde ohne Fokus auf User Experience Design entwickelt. Für User Experience Designer ist es üblicherweise äusserst schwer, die UX Aktivitäten in agiles Vorgehen zu integrieren. Die beiden wichtigsten Gründe sind:

  • User Experience Designer arbeiten zur Gestaltung des User Interfaces entlang von Nutzungsszenarien. Diese beschreiben einen Anwendungsfall aus Nutzersicht und beinhalten eine ganz andere Granularität als User Stories. User Stories bilden keinen grösseren Anwendungsfall ab, sondern beschreiben atomar eine Reihe von einzelnen Funktionalitäten. Ein gutes User Experience Design lässt sich jedoch nicht aus einzelnen kleinen - nicht zusammenhängenden - User Stories entwickeln.
  • Der Planungshorizont einer Iteration von zwei bis vier Wochen verunmöglicht es dem Team, effektiv Research Aktivitäten für die ausgewählten Funktionsbereiche zu planen und durchzuführen. Diese nehmen für sich selber mindestens die Zeit einer Iteration in Anspruch - wenn nicht sogar deutlich mehr.

Für das erste Problem hat Jeff Patton die sogenannte User Story Map vorgeschlagen. Diese ordnet User Stories entlang von Nutzungsszenarien. Sie schafft damit eine wichtige Verbindung von agilem und nutzerzentriertem Vorgehen. Produktinkremente werden dann unter Berücksichtigung von zusammenhängenden Anwendungsfällen geplant. User Story Maps sind deshalb fester Bestandteil von "Collaborative UX Design".

Für das zweite Problem gibt es mehrere Lösungsansätze:

  • In einem Ersten wird vorgeschlagen, das User Experience Designer immer eine Iteration voraus arbeiten (Sprint ahead). Dieser Ansatz führt jedoch zu neuen Problemen. Als Folge davon wird die Anwendung meist nur eingeschränkt kollaborativ entwickelt. Zudem kann die Zeitdauer einer einzelnen Iteration für die Entwicklung des User Experience Designs immer noch zu kurz sein. Zudem bleibt das Problem mit dem zu engen Fokus auf einzelne Funktionalitäten bestehen.
Abbildung: UX Sprint ahead - blau sind die UX Aktivitäten dargestellt.
  • In einem zweiten Lösungsvorschlag wird eine sogenannte Iteration Null vorgeschlagen. In dieser, dem normalen Projekt voraus gehenden Iteration, - auch Product Discovery genannt - soll sowohl der Product Backlog definiert als auch die Grundzüge eines User Experience Designs und die technische Architektur entwickelt werden. Dieser Vorschlag erinnert jedoch stark an ein Wasserfall-ähnliches Vorgehen: Analyse und Lösungsentwurf werden lange vor der eigentlichen Umsetzung in Angriff genommen.
Abbildung: Iteration Null

Ein neuerer Ansatz propagiert ein sogenanntes Dual-Track-Agile-Vorgehen. Dabei wird eine Anwendung in Themen aufgeteilt. Um ein Thema zu realisieren, werden mehrere Iterationen benötigt.

In einem ersten Track - dem sogenannten Product Discovery Track - wird für ein bestimmtes Themenfeld ein Konzept entwickelt. Das Themenfeld beinhaltet eine Anzahl von Nutzungsszenarien aber nicht das gesamte Produkt. In dem zweiten parallel geführten Track - dem sogenannten Delivery Track - werden die Lösungskonzepte umgesetzt. Die beiden Tracks laufen parallel.

Abbildung: Dual Track Agile

Da sich die Product Discovery nur auf ein Themenfeld bezieht, gibt es pro Release mehrere Discovery-Iterationen. 

In einer Product Discovery wird keine Produktspezifikation erarbeitet. Das Ziel ist lediglich das Entwicklen und Validieren eines Produktkonzeptes. Die detaillierte Ausgestaltung wird dem zweiten Track überlassen - dem Delivery Track. Zudem wird, wie die Delivery auch, die Product Discovery kollaborativ im Team durchgeführt.

Collaborative UX Design ist die geeignete Vorgehensweise für den Discovery Track. In der agilen Denkweise sind nämlich sowohl die Umsetzung als auch die Product Discovery von kollaborativer Zusammenarbeit geprägt. Dabei besteht nicht die Vorstellung, dass ein Team permanent zusammenarbeitet. Es gibt immer wieder Tätigkeiten, die getrennt von Spezialisten umgesetzt werden. Anders wäre eine effiziente Entwicklung eines Produktes nicht möglich. Aber es gibt klare Regeln, welche Arbeiten gemeinsam durchgeführt werden und wie getrennt durchgeführte Arbeiten wieder integriert und abgestimmt werden.

User Experience Designer übernehmen in der Product Discovery eine Lead-Funktion. Sie werden damit auch zu Facilitators, die gemeinsame Workshops leiten. Zum Produktdesign tragen jedoch alle Rollen bei.